2020

Repression ist nur das letzte Wort, wenn wir es hinnehmen – Free Them ALL!
Veranstaltunsgreihe vom 1. Februar – 19. März 2020

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Selbstorganisierung und politische Kämpfe haben überall auf der Welt eines gemeinsam: sobald sie stark und erfolgreich werden, begegnen ihnen die Herrschenden mit Repression Dabei ist es oft unerheblich, ob Menschen sich gegen rassististische und sexistische Diskriminierung, zerstörte ökologische Grundlagen, hohe Mieten, Verdrängung oder Krieg wehren, denn Regierungen sind vor allem eines: Garanten der Ausbeutung von vielen und Profit für wenige.

Völlig unterschiedliche Härtegrade der Repression gibt es z.B. in Europa und den Americas. Auffällig dabei ist aber eine technologische sowie diskursive Vorreiter*innenrolle in den USA. Nach einer Geschichte von brutalem Kolonialismus, Massenmord an der indigenen Bevölkerung und 300-jähriger Sklaverei scheint es für viele auch 2020 kein Widerspruch zu sein, sich als das „Land der Freien“ zu begreifen und gleichzeitig die meisten Menschen einzusperren. 2,14 Millionen Gefangene, überwiegend People of Color werden in der modernen Variante der Sklaverei an die Fliessbänder gezwungen. Weitere knapp 5 Millionen ehemaliger Gefangener leben ohne Grundrechte in einer Gesellschaft, die für manche Demokratie und Selbstentfaltung, für die viele andere Angst und Armut bedeutet.

Dieses wirtschaftliche Erfolgsmodell ist auch in Europa nicht unbeobachtet geblieben. In UK, Spanien, Italien, Belgien, Polen und auch in Deutschland wurden Facetten der modernen Sklaverei bereits übernommen, mit unterschiedlichem Erfolg. Klar ist, dass es zur Entrechtung und Akzeptanz unterschiedlicher Menschen- und Bürger*innenrechte vieler Ebenen bedarf. Autoritäre Strafdiskurse, herbeifabulierte ökonomische Sachzwänge, „mehr“ Polizei, „überlastete Sozial- und Justizsysteme“ sowie knallharte Profitinteressen sind der Mix, der für die einen ein Leben als Konsument*in und für die anderen den Verlust der Freiheit bedeutet.

In den USA ist das jedoch nie hingenommen worden. Seit dem ersten Massaker an Indigenen und dem ersten Tag, als Menschen aus Afrika verschleppt wurden, haben sie sich gewehrt. Derzeit gibt es nicht nur eine lange Geschichte der staatlichen Repression sondern auch eine vielfältige Geschichte des Widerstands, die uns in der momentanen Phase von Polizeigesetznovellen, der schleichenden Privatisierung des Strafvollzugs und der rassistischen Spaltung durch AfD, CDU/CSU, SPD, Grüne etc. helfen kann, Widerstand zu entwickeln.

Im März 2020 wird Johanna Fernandez aus den USA eine Rundreise durch Deutschland machen. Sie ist anti-koloniale Autorin, Educator und Unterstützerin des seit 1981 (!) gefangenen Journalisten und ehemaligen Black Panther Mumia Abu-Jamal. Nachdem es inzwischen bereits drei Generationen von linken Aktivist*innen gibt, die zuerst die Hinrichtung Mumias verhindern und später sein Überleben im Gefängnis sicherten, besteht nun eine realistische Chance, dass er in einem Revisionsverfahren frei kommen kann. Da es bei dem Kampf um Mumias Leben und Freiheit immer um alle ging, , wäre seine Freilassung ein großer Erfolg für alle in den USA, die sich für eine befreite Gesellschaft einsetzen. Johanna wird darüber am 19. März 2020 in Berlin berichten und Fragen aufwerfen, was hier möglich ist, um diese Kämpfe zu unterstützen.

Wir haben zur Einstimmung auf diese Veranstaltung eine Reihe von themenbezogenen Veranstaltungen zusammengestellt, zu denen wir dich einladen möchten:

Sa. 1. Februar 2020 – Berlin – Entsichern-Kongress SfE Mehringhof
u.a. mit einer Podiumsdiskussion über rassistische Polizeigewalt – dabei auch über Justiz und Gefängnisindustrie in den USA
Entsichern-Kongress, Schule für Erwachsenenbildung (SfE), Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin (U6/7- Mehringdamm)

Fr. 14. Februar 2020 – Berlin – KuBiZ Weißensee, Offener Raum Weissensee – 20:00 Uhr
NEA Tresen: Film „Free Angela Davis and all Political Prisoners“ über Feministin und Black-Power-Aktivistin Angela Davis mit kurzen Inputs zum bevorstehenden Frauen*streik vom Frauen*streikkomitee Berlin und zu Rassismus im US-Justizsystem, Gefängniskritik und Aktuelles zu Mumia Abu-Jamal und das neue Revisionsverfahren im Black History Month von Free Mumia Berlin.
KuBiZ Weißensee, Offener Raum – Bernkastelerstr. 78 – 13088 Berlin-Weißensee – Haltestelle Betriebshof Weissensee – Tram M4 / Bus 255 / Bus 158

So. 16. Februar 2020 – Berlin – Nacho Movie Night in der B53/55 – 19.00 Uhr
Film: „Justice on Trial“ (Johanna Fernandez, USA 2010, dt. Untertitel) über Mumia Abu-Jamal mit anschliessenden Updates zu neuen Entwicklungen in seinem Fall
B53/55, Braunschweigerstr. 53/55, Berlin-Neukölln (S+U7-Neukölln)

Fr. 21. Februar 2020 – Berlin – Kiezhaus Agnes Reinhold – 19:00 Uhr
„Black Power!“ Afroamerikanische Selbstorganisierung seit den 1960ern – Input von Free Mumia Berlin und Filmausschnitte
Kiezhaus Agnes Reinhold, Afrikanische Straße 74, 13351 Berlin-Wedding (U6-Seestr.)

Fr. 28. Februar 2020 – Berlin – Schloss 19
– 20:00 Uhr
Antifa Westberlin – Tresen: Die moderne Form der Sklaverei als Gefängnisindustrie in den USA – Input von Free Mumia Berlin
Schloss 19, Schloßstraße 19, 14059 Berlin-Charlottenburg, U2-Sophie-Charlotte-Platz

Do. 19. März 2020 – Berlin, Schule für Erwachsenenbild (SfE) – 19:00 Uhr
Johanna Fernandez, Sprecherin von Mumia Abu-Jamals Verteidigung und US-Aktivistin der Free Mumia Bewegung über Mumia Abu-Jamals aktuelles Verfahren und die Möglichkeiten, ihn zu befreien
Schule für Erwachsenenbild (SfE), Mehringhof, Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin-Kreuzberg (U6/7-Mehringdamm)

weitere Infos

FREE MUMIA – Free Them ALL

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2019

Im September 2019 wird der indigene Aktivist Leonard Peltier 75 Jahre alt – mehr als die Hälfte seines Lebens hat er in Knästen der US Regierung verbracht. In einem manipulierten Verfahren wurde er ohne Beweise abgeurteilt. An den angeblichen Mord zweier FBI Beamten glauben nicht einmal seine ehemaligen Ankläger oder ein ehemaliger US Justizminister. Peltier sitzt in Haft, weil er bis heute zu einer kämpfenden Community gehört, die versucht, mit und nicht gegen die Natur zu leben.

In der rassistischen Gesellschaftsordnung der USA wird bis jetzt keine Verantwortung für den Genozid an der indigenen Bevölkerung übernommen. Projekte wie die Black Snake Ölpipeline machen deutlich, dass Menschenleben und Ökologie keine Bedeutung haben, wenn es um Rendite für Konzerne geht. 2016 in Standing Rock haben Tausende ein deutliches Zeichen gegen die staatliche Gewalt und die kapitalistische Zerstörungswut gesetzt (#NODAPL), und die Freilassung des lebensgefährlich erkrankten Aktivisten Leonard Peltier gefordert, der seit 1976 in Haft ist. Er weiß, dass er nur noch wenig Zeit hat. Er will sie nicht bis zum letzten Augenblick im „Eisenhaus der Weißen“ verbringen.

Ähnlich geht es derzeit auch den afroamerikanischen Gefangenen Jalil Muntaqim und Mumia Abu-Jamal.
Leonard Peltier, Jalil Muntaqim, Mumia Abu-Jamal … FREE THEM ALL!

Fr. 13. September 2019 – Berlin – Buchladen Schwarze Risse
Lesung mit Michael Koch: Freiheit für Leonard Peltier!
Buchladen Schwarze Risse, Gneisenaustr. 2a – 10961 Berlin-Kreuzberg, U6/7 Mehringdamm

Sa. 14. September 2019 – Berlin – US Botschaft 15:00 Uhr
Kundgebung Medizinische Behandlung und Freiheit für Leonard Peltier, Jalil Mumtaqim und Mumia Abu-Jamal! Free Them ALL!
US Botschaft, Pariser Platz 2/Brandenburger Tor, Berlin
U55-Brandenburger Tor, Bus 100


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2016

english version below

„Ich bin Barack Obamas politischer Gefangener.“
FREE LEONARD PELTIER – FREE THEM ALL !

Kundgebung am Samstag, 29. Oktober 2016 um 15 Uhr auf dem Pariser Platz vor der US- Botschaft

Über 500 Jahre nach der brutalen Eroberung der Azteken- und Inkagebiete, 125 Jahre nach dem letzten militärischen Massaker an Native Americans in den USA, und über 40 Jahre nach der gewalttätigen Unterdrückung revolutionärer bewegungen in den USA durch das Counter-Intelligiance -Programme (COINTELPRO), ist die längste Völkermord- und Kolonialgeschichte der Welt noch nicht beendet: Mord, Vertreibung, juristische Verfolgung, mangelhafte medizinische Versorgung, Zerstörung der Lebensräume und aufgezwungene Armut und Assimilation sind dabei nur ein paar Dinge, denen Indigene ausgesetzt sind.

Der Gefangene Leonard Peltier ist als ehemaliger Aktivist des American Indian Movement (AIM) eines der Opfer dieser anhaltenden repressiven Strukturen. Seit über 40 Jahren sitzt er stellvertretend für viele andere Indigene in den USA in Haft, die es wagten, ähnlich wie die Black Panthers mit der AIM gegen rassistische und tödliche Polizeigewalt aufzustehen. Peltiers behauptete Tatschuld am Tod zweier FBI Beamten im Jahr 1975 wurde nie nachgewiesen. Heute ist er ein kranker Mann. Die vielen Jahre in den Zellen verschiedener Hochsicherheitsgefängnisse haben seine Gesundheit ruiniert. Da weder Indizien noch Zeugenaussagen seine behauptete Tatschuld belegen, reichte Ramsey Clark, ehemaliger Justizminister der USA, schließlich 1993 ein Begnadigungsgesuch beim US- Präsidenten ein, der theoretisch dazu befugt ist, diese auszusprechen.

Leonard Peltier ist aber nur einer von ca. 2,3 Millionen Gefangenen in den USA. Ähnlich wie die Black Lives Matter Bewegung außerhalb der Gefängnisse sind es auch innerhalb der Knäste überwiegend People Of Color, die die volle Gewalt der staatlichen Repression und Ausgrenzung erfahren. Die US Gefängnisindustrie erwirtschaftet Milliardengewinne mit der Ausbeutung der Gefangenen und sieht sich 2016 zahlreichen Streiks und Aktionen zur Abschaffung der Sklaverei von innen gegenüber.

Präsident Obama erweckte bei seinem Amtsantritt vor acht Jahren bei vielen die Hoffnung, dass die rassistische Gesellschaftsordnung der USA ein wenig aufgebrochen würde. Nun, bei seinem Abtritt stehen die Communities Of Color noch ausgegrenzter dar als zuvor. Dieser Präsident hat es bis jetzt noch nicht einmal geschafft, die Freilassungsurkunde für Leonard Peltier zu unterzeichnen. Es scheint, als ob er selbst zu dieser letzten Würdigung indigener Wiedergutmachungsforderungen – der Begnadigung Leonard Peltiers – nur durch politischen Druck gebracht werden wird.

Politische Repression und staatliche Rachegelüste gegenüber Widerständigen sind natürlich nicht auf die USA beschränkt. Aktuelles Berliner Beispiel dafür ist die fortgesetzte Untersuchungshaft gegen Aaron und Balu, deren Freilassung wir an dieser Stelle fordern.

Leonard Peltier und alle kämpfenden Gefangenen sind auf Unterstützung von draußen angewiesen. Lasst uns diesen Druck gemeinsam am 29. Oktober vor der US- Botschaft ausüben!

Indian Wars Are Still Not Over – The Struggle for Freedom Goes On!

Free Leonard Peltier, Free Mumia – FREE THEM ALL!

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FREE LEONARD PELTIER – FREE THEM ALL!
„I am Barack Obama’s political prisoner“

Demonstration on Saturday, the 29th of October 2016, beginning is 3 pm at the Pariser Platz, Berlin in front of the US-Embassy

Over 500 years after the brutal conquering of Inca and Aztec territories, 125 years after the last military massacre on Native Americans in the USA, and over 40 years after the violent oppression of a revolutionary movement in the USA by the so called Counter-Intelligence-Program (COINTELPRO), the worlds longest history of genocide and colonialism cannot be considered having ended. Murder, forced displacement, judicial persecution, insufficient medical treatment, habitat destruction, constrained poverty, and assimilation are only some measures that are constantly used against indigenous people.

The prisoner Leonard Peltier and former activist of the American Indian Movement (AIM) is one of the victims of this continuous repressive structure. His prison sentence, which has already lasted more than 40 years, is representative for the imprisoned Native Americans that dared to fight aside AIM similar to the Black Panther Party against racial and deadly police violence. The allegation against Peltier of being responsible for the murder of an FBI officer in 1975 has never been proven. Today he is a sick man. Being locked up for many years in high security prisons has ruined his health. Since there was no evidence nor were there any witnesses to prove his guilt, Ramsey Clark, a former Attorney General, in 1993 appealed for clemency to the US president, who is theoretically entitled to grant it.

Leonard Peltier is only one of the 2.3 million prisoners in the USA. Like the Black Live Matters movement outside of the prisons, it is the people of color in the prisons that face political repression and social exclusion and have to fight back. The US-prison industry generates billions of US-dollars of profit by exploiting prisoners. Thus in 2016 numerous prison strikes and actions to abolish internal slavery have been rising.

Eight years ago the election of Barack Obama as president evoked some hope that the racist social order could be changed to some extent. After his two terms the communities of color are even more excluded than before. This president did not even sign the appeal of clemency for Leonard Peltier. It seems that only strong political pressure will force him to grant the reparation demands of the indigenous – To free Leonard Peltier!

Governmental political repression and the desire for revenge against rebellious activists is clearly not confined to the United States. The Berlin case of continuing custody of Aaron and Balu is a current example in Germany. We demand their release!

Leonard Peltier and all of the fighting prisoners rely on your support from outside the prisons. Let us together apply some pressure on the 29th of October in front of the US Embassy!

Indian Wars Are Still Not Over – The Struggle for Freedom Goes On!
Free Leonard Peltier, Free Mumia – FREE THEM ALL!